Jens Spahn, der Rentenprofi!
Herdecke [ENA] Wenn einer was von Rente und länger arbeiten versteht, dann ist es Jens Spahn! Sein beruflicher Lebensweg ist dafür wie gemacht. Mit all seiner Erfahrung aus seinem politischen Alltag weis er genau das Rentenalter der Deutschen zu bestimmen. Er behauptet einfach mal so, auch mit siebzig Jahren auf dem Buckel und in den Beinen geht das alles noch locker von Hand und Fuß, mit der Arbeit. Doch von wem spricht er da ?
Der viel zitierte Bauarbeiter kann es ja nicht sein, der Fliesenleger und Schlosser sowie der Schweißer sind nach 45 Jahren auch am Ende ihrer Kräfte. Also von wem spricht er? Ja, es gibt Menschen, die sind von einer unsterblichen Natur, nie krank, immer vorne weg und ständig auf hohem Niveau an der Leistungsgrenze. Die kenn wir nur zu gut aus dem Berufsleben. Und dann auf einmal sind sie weg! Es gibt auch Menschen, die haben ihr gesamtes Berufsleben in Einklang mit Freizeit, Sport, Urlaub und Schaffen gebracht. Die sind einfach noch fit nach 50 Berufsjahren und arbeiten noch gerne weiter. Aber wo und wieviel? An der sprichwörtlichen „Schüppe“ mit Sicherheit nicht mehr.
Diese Menschen finden wir wieder in den Berufen mit geistigen Herausforderungen, nicht mit körperlichen Anstrengungen. Schauen wir doch mal genauer hin, was so die Wissenschaft zum „längeren“ Arbeiten meint. Die ehrliche Antwort ist: Es gibt kein fixes biologisches Rentenalter. Aber es gibt realistische Spannbreiten – abhängig von Beruf, Gesundheit und Arbeitsbedingungen. Durchschnittliche Realität in Deutschland bedeutet für den gesetzlichen Renteneintritt: Das reguläre Rentenalter liegt aktuell bei 67 Jahren. Das tatsächliche durchschnittliche Renteneintrittsalter liegt etwas darunter. Viele schaffen die Vollzeitarbeit bis Mitte 60 – aber nicht allen gelingt das aus vielen Gründen.
Entscheidend ist: Der Gesundheitszustand mit 60 ist heute sehr unterschiedlich und die realistische Arbeitsfähigkeit richtet sich nach der Belastungsart. Geistige und überwiegend sitzende Arbeit z. B. in der Verwaltung, IT und Beratung etc. können realistisch bis 67–70 Jahren durchgeführt werden. Voraussetzung sind aber eine gute Stressregulation und keine schweren chronischen Erkrankungen. Der Problemfaktor ist hier eher ein anhaltender Dauerstress und eine psychische Erschöpfung, als das Alter selbst.
Viele Menschen könnten in solchen Berufen auch länger arbeiten – aber häufig reduziert in Teilzeit. Diese möchte die CDU/CSU ja auch weitestgehend abschaffen! Bei der körperlich belastenden Arbeit z. B. in den Bereichen Bau, Pflege, Produktion sieht es deutlich anders aus. Hier gilt allgemein die Belastbarkeitsgrenze oft nur bis 60–63 Jahre. Danach steigen drastisch Gelenkprobleme, Rückenleiden, chronische Schmerzen und dadurch die Frühverrentung wegen Erwerbsminderung. Die Menschen sind am „Ende“ angekommen Herr Spahn.
Wissenschaftliche Studien zeigen klar: Je höher die körperliche Belastung im Beruf, desto früher sinkt die Arbeitsfähigkeit. Es gibt aber auch biologische Grenzen. Ab etwa 50 Jahren wird die Regeneration langsamer, ab 60 Jahren nimmt die Muskelmasse deutlich ab, wenn nicht aktiv trainiert wird. Aber wer will nach 10 Stunden körperlicher Arbeit noch ins Fitnessstudio? Ab einem alter von 65+ steigt der Erholungsbedarf drastisch an. Es wird aber weiter sträflich unterschätzt, dass nicht das Alter das Problem ist, sondern, 40 Jahre mehr oder weniger Dauerstress, lange Zeit in Schichtarbeit und dadurch schlechte Schlafqualität.
Wenn es ganz schlecht läuft kommt noch chronische Überlastung hinzu, oft durch die Familie, Pflege der Eltern. Der Körper „hält durch“ – aber die „Verschleißsumme“ entscheidet am Ende. Nehmen wir mal eine realistische Einschätzung und Abwägung vor. In nicht stark körperlichen Berufen ist ein Arbeitsleben bis 65–70 realistisch möglich. In stark körperlich belastenden Berufen ist Arbeiten oft nur bis Anfang 60 ohne gesundheitliche Folgen möglich. Hier werden aber individuell große Unterschiede deutlich, je nach körperlicher Verfassung.
Die politischen Forderungen von Jens Spahn gehen an der Wirklichkeit in der Arbeitswelt völlig vorbei und vernachlässigen die biologische Realität. Wenn Politiker wie Jens Spahn sagen, Menschen müssten länger arbeiten, sprechen sie über: Demografie Rentenfinanzierung steigende Lebenserwartung. Der Körper orientiert sich aber nicht an der Leistungsfähigkeit der Rentenkasse, sondern an Belastung und Regeneration.
Herr Spahn, ändern sie das Rentensystem zu Gunsten der arbeitenden Bevölkerung und suchen sie nicht immer nur nach mehr Belastungen für die, die den „Motor“ am laufen“ halten. Die Kranschreibungen steigen doch nicht, weil, wie der Kanzler sagt, die Menschen zu faul zum Arbeiten sind, nein, die Belastungen nehmen so drastisch zu, dass die Arbeitenden wirklich krank an Körper und Seele werden. Es ist genug! Schauen sie mal zu den Nachbarn nach Österreich, da klappt das mit der Rente tadellos. Nehmen sie sich mal ein Beispiel an dieser Solidarität. Hier zahlen alle in das System ein, egal wie viel der Einzelne verdient. Und denken sie mal daran, dass auch Kapitaleinkünfte zur Renten- und Krankenkassenfinanzierung herangezogen werden können!




















































